Sparkasse Verden – „Eine Bank muss doch richtig rechnen!“ – lautet der Titel eines heute erschienen Presseberichtes der Kreiszeitung (Regionalteil Verden)

Quelle: Kreiszeitung.de

Sparkasse Verden – der Fall Grothenn in der Presse: Landkreis – „Eine Bank muss doch richtig rechnen!“ Das erwartet Johann Grothenn wie wohl alle, die Finanzdienstleistungen in Anspruch nehmen. Der Thedinghauser Landwirt kann es immer noch nicht fassen, dass die Kreissparkasse seine Kreditzinsen zu seinem Nachteil falsch berechnet hat.

Kreissparkasse Verden über das Urteil des Oberlandgericht Celle …

Über Jahre sei das geschehen, hat ihm das Oberlandesgericht Celle in einem Urteil bestätigt. Der Pressesprecher der Kreissparkasse, Friedrich von Schroeder, versteht es als Einzelfall-Entscheidung. Kreditsachverständige und Juristen allerdings vermuten hinter den oft existenzbedrohenden „Versehen“ in der Finanzbranche Methode.

Mehr als 40 Jahre war der Thedinghauser Landwirt Kunde der Kreissparkassenfiliale in der Samtgemeinde Thedinghausen. Als Johann Grothenn Anfang der 1970er-Jahre den Hof in Dibbersen übernahm, hat er investiert. Das Geld dazu musste er aufnehmen und abstottern.

Schwierig wurde es für den Landwirt, als er vor zehn Jahren modernisieren wollte. Er kaufte Land hinzu und machte neue Schulden. Wieder bei der Kreissparkasse. Dann begann die Zinslast zu drücken. Der Zahler wurde säumig und die Bank kündigte Ende 2012 unerwartet die Kredite. Nach vier Jahrzehnten sollte Johann Grothenn plötzlich 233.000 Euro zahlen. „Der landwirtschaftliche Betrieb stand vor dem Ruin“, erinnert sich Grothenn.

Ein Anwalt habe ihm dann den Tipp gegeben, mal nachrechnen zu lassen, ob alles mit den Zinsen in Ordnung gehe. Als Grothenn das Ergebnis vom Kreditsachverständigen erhielt, war der Landwirt vom Ausmaß geschockt. 300.000 Euro, so hatte der von ihm beauftragte Sachverständige ausgerechnet, habe er seit 1978 zuviel gezahlt.

OLG Celle verurteilt Sparkasse Verden  zu Rückzahlung wegen Falschabrechnung …

Nach der Entscheidung des Celler Gerichts muss die Sparkasse immerhin 28.000 Euro zurückzahlen. Wegen Verjährungsfristen muss die Bank aber nur die Zinsen von drei Jahren neu berechnen. Im Verhältnis zu den 40 Jahren, in denen der Thedinghauser an seinem Kredit abbezahlt hat, ist das wenig. Trotzdem eine stolze Summe, weil sie belegt, dass an seinem Vorwurf gegen die Bank etwas dran ist.

„Die Kreissparkasse Verden hat über mehrere Jahre die Konten und Darlehen falsch abgerechnet und wird verurteilt, die Saldendifferenz zuzüglich mit fünf Prozent-punkten über dem jeweiligen Basiszins an  den Bankkunden herauszugeben.

In wieweit Schadenersatzansprüche zusätzlich realisiert werden können, muss anwaltlich noch geklärt werden“, stellt das Kredit-sachverständigen-Büro J. Rackowitz & Kollegen in Osnabrück zufrieden fest.

Grothenn hatte nach deren Gutachten eigentlich mehr erwartet. Vor Gericht hatte er auf Anraten seines Anwalts aber moderate 250.000 Euro gefordert.

Dabei hatte der Jurist die in den allgemeinen Geschäftsbedingungen festgelegte Aufrech-nungsklausel im Kopf.

Sie begrenzt die Forderung an die Bank auf das, was der Kunde ihr schuldet: Es soll laut Geschäftsbedingung aufgerechnet werden.

Ackerland verkauft, um Zwangsversteigerung zu vermeiden
Dabei hat der BGH am 20. März eine schon seit Längerem vertretene Rechtsansicht bestätigt, dass eine solche Klausel gar nicht zulässig ist.
Johann Grothenn wäre aber zumindest schuldenfrei gewesen. Stattdessen hat er sehr eilig sein Ackerland verkauft, das ist immerhin seine Wirtschaftsgrundlage, verkauft, um nicht den ganzen Hof durch eine Zwangsversteigerung zu verlieren.

Für die Kreissparkasse ist der Fall Grothenn ein Einzelfall:

„Dem Urteil des OLG Celle lag ein Kreditverhältnis zugrunde, das im Hinblick auf die vertraglichen Rahmenbedingungen, die Laufzeit und die individuellen Umstände aus der persönlichen Sphäre des Kunden besonders gelagert war.

Deshalb ist das Urteil des OLG Celle eine Einzelfall-Entscheidung. Das hat der BGH ausdrücklich so bestätigt. Der BGH hat dieser Rechtssache ,keine grundsätzliche Bedeutung’ beigemessen und die Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revision zurückgewiesen“, erklärte KSK-Pressesprecher Friedrich von Schroeder die Bewertung der Bank.

Netzwerk für Betroffene mit ähnlichem Schicksal
Die Fälle häufen sich…

Mit dem Kirchlintler Geschäftsmann Meyer und dem damaligen Geschäftsführer der Firma Polar-Fenster Stelter knüpft er an einem Netzwerk, in dem sich Betroffene mit einem ähnlichen Schicksal  zusammenschließen. Sie wollen natürlich ihren eigenen wirtschaftlichen Ruin abwenden.

Sie wollen aber auch Einfluss auf das Geschäftsgebaren der Kreissparkasse nehmen, damit anderen ihre Erfahrungen erspart bleiben. Sie hoffen dabei auf die Unterstützung des Verwaltungsrats der Bank, die den Landkreis, also Steuermittel, als Gewährsträger hat.

Die Kreistagsmitglieder in dem Gremium hätten doch eine Aufsichtsfunktion für die Kreissparkasse.

Frontal 21 über den Kirchlintler Geschäfts-mann Meyer und die Kreissparkasse Verden

Wir empfehlen Ihnen, sich dieses Video anzuschauen und daraus selbst abzuleiten, wie die Sparkasse Verden mit Kunden verfährt.

40.000€ zuviel berechnet – Gutachter ermittelt Fehler bei Berechnungen von Kreditzinsen der Kreissparkasse Verden

Was sagt die Kreissparkasse Verden zu diesen Sachverständigen-Ergebnis gegenüber der Presse?

Landkreis – Von einer Klageflut kann bislang keine Rede sein. Nachdem die Verdener Aller-Zeitung von fehlerhaften Zinsberechnungen beim Thedinghauser Landwirt Johann Grothenn berichtet hat, sind beim Verdener Landgericht keine neuen Prozesse anhängig, in denen Kunden der Kreissparkasse zuviel gezahlte Kreditzinsen zurückfordern.
Das ermittelte der Pressesprecher des Gerichts, Nikolai Sauer. Auch in der KSK, gebe es keine Anfragen, teilt die Leiterin Unternehmens-kommunikation, Beate Patolla mit.

Dass das, was der Landwirt aus Dibbersen erlebt hat, kein Einzelfall war, könnte ein weiteres Gutachten vermuten lassen.

Der ehemalige Geschäftsführer der Morsumer Firma Polar Fenster, Gerhard Stelter, hat nachrechnen lassen und sein Gutachter stellte ähnliche Fehler fest. In 13 Jahren soll Gerhard Stelter 37 840,66 Euro zuviel Zinsen gezahlt haben. Das war das Ergebnis, nachdem der Osnabrücker Kreditsachverständige Dieter Rackowitz die Kontenverläufe des Kaufmanns ausgewertet hatte.

Überrascht ist er nicht über sein Ergebnis. Rackowitz hat Hunderte solcher Gutsachten erstellt. Was er dabei festgestellt hat, hat ihn dazu veranlasst, den gemeinnützigen Verbraucherschutz-Verein Liquikon zu gründen. Er will aufklären und Bankenopfern zu ihrem Recht verhelfen, sagt er.

Handwerk und Landwirtschaft besonders betroffen

Gutachter ermittelt Falschabrechnung bei Sparkasse Verden

Dieter Rackowitz ist überzeugt, dass weder Johann Grothenn noch Gerhard Stelter Einzelfälle sind: „Die Falschberechnungen der Kreditinstitute in Deutschland sind flächendeckend und systematisch zu betrachten.
Besonders betroffen seien Betriebe in Handwerk und Landwirtschaft, weil die bei relativ geringem Kapital viele Geschäfte über das laufende Konto abwickeln müssten. Häufig sei dann überzogen und dabei wirke sich die nicht korrekte Anpassung aus, wenn die Leitzinsen gesenkt werden. Insofern sind Landwirt Grothenn und Stelter typische Beispiele.

„Man entwendet dem Mittelstand sein Eigenkapital“, ordnet Rackowitz die wirtschaftliche Bedeutung ein. Für ihn beschränkt sich die die fehlerhafte Anpassung nicht auf eine spezielle Bank. Das Problem sei in der gesamten Branche zu finden.
Für Kreissparkasse sei das aktuell kein Thema, weil die Kunden offenbar nicht anfragen, teilt Dr. Beate Patolla mit. Darüber hinaus weist das Unternehmen in seiner Stellungnahme darauf hin, dass das Verfahren der Berechnung bei Krediten mit variablen Zinssätzen transparent sei: „Wenn der Zinssatz steigt oder fällt, erhält der Kunde eine schriftliche Information.

Sparkasse Verden - der Fall Stelter

Und anders als bei Festzinsvereinbarungen kann ein Kunde mit einem variablen Zins sofort darauf reagieren und das Darlehen ganz oder teilweise zurückzahlen oder in eine Festzinsvereinbarung umwandeln. Die Mehrzahl der Kunden habe in der Regel bei Darlehen eine Festzinsvereinbarung, sodass sie das Thema variabler Zins überhaupt nicht betreffe. „Firmenkunden vereinbaren aber auch gerne einen variablen Zins, weil er ihnen bestimmte Vorteile bietet, beispielsweise kann man das Darlehen jederzeit zurückzahlen, wenn die Auftragslage gerade gut ist.“

Probleme mit der Liquidität

Gutachter Rackowitz hat dennoch Fehler in den Zinsberechnungen für Gerhard Stelter gefunden. Und für den Ex-Polar-Geschäftsführer sind sie besonders ärgerlich. Den Kredit über 100.  000 Euro, so berichtet er, habe er damals auf Druck der Banken aufgenommen, um das Geld in den Betrieb seines Arbeitgebers zu stecken. Eigentlich eine eher ungewöhnliche Lösung, wenn ein Unternehmen ins Schlingern gerät.

Das eigentlich gut gehende Unternehmen hatte damals Probleme mit der Liquidität. Nachdem Auftraggeber von Großprojekten, die Rechnungen in Millionenhöhe nur zögerlich bezahlten, war Ebbe in der Kasse. Den Hausbanken Kreissparkasse und Volksbank war dann offenbar wohler, wenn Geschäftsführer Stelter enger an die Firma gebunden wird.
Mit den 100. 000 Euro wurde der Bruchhauser Minderheitsgesellschafter bei Polar und die Firma hatte erstmal Luft auf dem Konto. Als dann dennoch alles den Bach runter ging, war Stelter als Mitgesellschafter im Boot, verlor seinen Job und hatte Schulden am Hals.
Und weil er immer noch darum kämpft, auf die Füße zu kommen und die Zwangsversteigerung seines Hauses zu vermeiden, ist dieser Kredit aus mehreren Gründen von großer Bedeutung für Gerhard Stelter.

01.01.19 – Neuer Fall von fehlerhafter Zinsanpassung der Sparkasse Verden
in 6-stelliger Höhe zu Lasten des Kreditnehmers

Liquikon liegt aktuell ein weiterer Fall vor, in dem sich die Sparkass Verden an einem Landwirt mit über 80.000€ ungerechtfertigt bereichert hat. Wir werden in Kürze ausgiebig hierüber berichten …